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Waldkindergarten Balingen e.V.

Die Achtung vor der Schöpfung und das Begreifen als Teil der Schöpfung
weckt Gefühle der Liebe, Vertrautheit und Verantwortung im Kind

 

Auszug aus der Konzeption

 

1. Allgemeines

Waldkindergärten haben ihren Ursprung vor etwa 40 Jahren in Dänemark gefunden. In Deutschland wurde der erste Waldkindergarten 1992 in Flensburg ins Leben gerufen. In Balingen, Zollern-Alb-Kreis, wurde die Gründung eines Waldkindergartens im März 1999 vollzogen.
Die Kinder unseres Waldkindergartens verbringen vier bis sechs Stunden am Vormittag in einem festgelegten Waldgebiet auf dem Binsenbol. Die Aktivitäten finden dort bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit statt. Eine Ausnahme stellen Extremwetterlagen dar (Gewitter, Sturm, Schneebruchgefahr und extreme Kälte), die ein Ausweichen in einen Aufenthaltswagen am Waldrand oder in einen anderen Ausweichraum außerhalb des Waldes notwendig machen. Der tägliche Waldgang der Kinder ist ein gemütliches Dahinziehen der gesamten Gruppe, da unterwegs immer wieder allerlei Dinge (Holzstücke, Steine, Gräser, Eierschalen usw.) gefunden und betrachtet werden. Eingebettet ist der Waldgang in feste Rituale wie den morgendlichen Begrüßungskreis, das Frühstück und den Schlußkreis. Jede der beiden Gruppen besteht aus ca. 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Kinder werden von jeweils zwei Erzieherinnen betreut.
Die Trägerschaft des Waldkindergartens übernimmt der Verein Waldkindergarten Balingen e.V., der für das Budget, das Personal und die pädagogische Konzeption verantwortlich ist.

 

2. Pädagogik

Prävention. Vor allem Kinder im Kindergartenalter beziehen ihr Selbstwertgefühl aus körperbetonter Erfahrung. Das Selbstbild des Kindes entsteht durch die Erfahrung, daß es selbst in der Lage ist, etwas zu vollbringen. Durch die Vielzahl der körperlichen Erprobungsmöglichkeiten (Balancieren auf einem Baumstamm, Springen über einen Bach usw.) im Wald wird die Ich-Werdung und damit das Selbstwertgefühl gestärkt. Das gewonnene Fundament ermöglicht dem Kind vorbeugend (präventiv) mit späteren psychischen Belastungssituationen (z.B. Schule, Suchtstrukturen) besser umgehen zu können und eine ausgewogene Selbst- und Körperkontrolle zu erlernen.
Soziale Kompetenz. Im Waldkindergarten wird die soziale Kompetenz der Gruppe und des Einzelnen auf der Basis eines echten Aufeinanderangewiesenseins gefördert. Das führt zu einer Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Die Kinder entwickeln untereinander Respekt, begegnen sich höflich und sprechen viel miteinander. Der weite Raum im Wald ermöglicht es Kindern Aggressionen besser abzubauen bzw. deutlich zu reduzieren. Eine Kindergruppe in einem entspannten Umfeld ist eher in der Lage Konflikte konstruktiv zu lösen, um aktiv Beziehungen zu gestalten. Das Lösen von Konflikten ist eine wichtige Fähigkeit, um später in der Gesellschaft konstruktiv und kreativ zu sein. Streitigkeiten um materielle Gegenstände (Autos, Puppen usw.) entfallen.
Rituale. Der Kindergartenalltag wird durch verbindliche, immer wiederkehrende Abläufe gestaltet, die dem Kind Orientierung und Sicherheit geben. Die Notwendigkeit von festen Regeln können die Kinder aus eigener Anschauung erfahren, nachvollziehen und ihren Sinn erleben.
Christliches Menschenbild. Die pädagogische Zielrichtung soll sich klar am christlichen Menschenbild orientieren. Das schließt die Vermittlung christlicher Lebensformen (Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Gebet, Singen usw.) und christlichem Grundwissen (z.B. das bewußte Feiern von Ostern und Weihnachten und Erzählen von biblischen Geschichten) ein.

 

3. Körper, Geist und Sinne

Die Bewegungsmöglichkeiten der Kinder sind im Wald durch keinerlei Raumbegrenzungen eingeschränkt. Sie können ihre eigenen Kräfte durch Hüpfen, Klettern, Springen, Balancieren, Kriechen usw. ausprobieren und lernen ihre Grenzen kennen. Diese Grenzerlebnisse schaffen Sicherheit im psychomotorischen Bereich und fördern ein gesundes Wachstum. Neben der Grobmotorik wird auch die Feinmotorik z.B. durch Bastelarbeiten (Aufheben von Tannennadeln für ein Bild aus Naturmaterialien) im Wald geübt. Im Wald wird Kindern die Möglichkeit gegeben mit allen verfügbaren Sinnen (Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken und Sehen) die Natur zu begreifen. Die stille Atmosphäre des Waldes lädt zum Verweilen und Betrachten ein. Die Vielfalt der natürlichen Umgebung schafft intensive Erfahrungs-, Erinnerungs- und Identifizierungswerte wodurch die Intelligenz des Kindes auf breiter Basis angeregt und gefördert wird. Das Spiel mit der Natur, ohne vorgefertigte Materialien, bietet den Kindern die Möglichkeit, die eigene Phantasie und Intuition einzusetzen und zu entwickeln.

 

4. Kulturgut

Zur ganzheitlichen Erziehung in einem Waldkindergarten gehören selbstverständlich die Bereiche der rhythmisch-musikalischen Erziehung und der Vermittlung von Kulturgut (Märchen, Geschichten aus der Bibel usw.). Die künstlerisch-ästhetische Förderung greift vorwiegend auf Materialien aus der Natur zurück.

 

5. Gesundheitsförderung

Kinder leiden zunehmend unter Allergien, Bewegungsstörungen, Haltungsfehler, chronischen Erkältungskrankheiten usw. Im Waldkindergarten entwickeln die Kinder eine gute Kondition. Es ist leicht nachvollziehbar, daß täglicher mehrstündiger Aufenthalt und Bewegung im Freien das Immunsystem stärkt und die körperlich-seelische Gesundheit fördert. Gleichzeitig wird die Sensibilität des Kindes gegenüber dem eigenen Wohlbefinden („was tut mir gut“) gesteigert. Waldkindergärten begünstigen aufgrund der natürlichen Umgebung eine gesunde Ernährung. Von den Kindern wird nämlich schnell akzeptiert, daß Süßigkeiten, Limonade und Schokolade lnsekten anlocken. Auch Eltern werden daher angeregt über ein angemessenes Ernährungsverhalten nachzudenken.

 

6. Vorschule

Für Kinder im letzten Kindergartenjahr wird einmal in der Woche vormittags ein spezielles Programm angeboten.

 

7. Verhaltensauffällige Kinder, Behinderte Kinder

Verhaltensauffällige Kinder haben die Chance aufgrund neuer Erfahrungen und Erlebnisqualitäten im Waldkindergarten neue Verhaltensmuster aufzubauen. Kinder mit Behinderungen sollen – der Eigenart ihrer Behinderung entsprechend – im Waldkindergarten aufgenommen werden. Ihre Integration ist eine Bereicherung für die Gesamtgruppe und deshalb unbedingt anzustreben.

 

8. Umwelt

Durch den ständigen Aufenthalt in der Natur und die Hinweise der Pädagoginnen gewinnen die Kinder Einblicke in den jahreszeitlichen Naturkreislauf des Waldes. Der Wald als Naturraum bietet einen direkten Bezug zu den Lebenselementen (Tiere, Pflanzen, Wasser, Luft, Feuer, Erde) und damit zu den existenziellen Lebensgrundlagen der Menschen. Die Beobachtungen in der Natur sensibilisieren das Kind für seine Umwelt und stärken das Umweltbewußtsein.

 

9. Elternarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Erzieherinnen und dem Träger zum Wohl des Kindes ist ausdrücklich gewünscht. Es werden regelmäßig Elternbriefe verschickt sowie Elternabende angeboten.